Sony F55 Ersteindruck


Noch bevor „RED Digital Cinema Camera Company“ gegründet wurde, oder sich „ARRI“ auf die Digitalisierung der Kinos eingelassen hat, war Sony (Cine Alta) mit der HDW-F900 für George Lucas Film „Star Wars Episode II“ Vorreiterin der digitalen Kinoproduktion. Die damals noch von vielen Seiten bemängelte Auflösung des CCD Sensors und die geringe 300 ISO Empfindlichkeit sind heute Geschichte, genauso wie der Irrglaube, dass digitale Kameras die analogen niemals ersetzen könnten.


Ich bekam anfangs Mai die Möglichkeit Aurora Vögelis Kurzfilm „Die roten Schuhe“ mit der Sony PMW-F55 in 4K RAW zu drehen, dem neusten Cine Alta Flagschiff. Das 4K Projekt wurde durch Cinegrell, Egli Film und der ZHdK initialisiert und soll diesen Herbst im Kino als erstes 4K Projekt der Schweiz Premiere feiern.

4K war zwar nichts Neues für mich, 2009 drehte ich bereits mit der RED one in 4K. Allerdings war der Wokflow damals in 2K. Auch ist 4K nicht gleich 4K, das konnte ich beim Direktvergleich der Testaufnahmen mit der RED Epic und der Sony F55 feststellen, welche vor Drehbeginn gemacht wurden. Das Bild der Sony war deutlich schärfer und hatte mehr Details, selbst im Vergleich zum 5K Bild der Epic.


Das richtige Objektiv

Die Frage war nur: Will ich überhaupt mehr Schärfe und mehr Details im Film? Natürlich ist es toll, in einem Panoramashot Details zu haben. Bei einem Close Up möchte ich die Aufmerksamkeit des Zuschauers aber nicht an die unreine Haut des Protagonisten verlieren. Da sich 4K über kurz oder lang durchsetzen wird, muss ich lernen, damit zu arbeiten. Ich entschied mich nicht für die weichen Cooke Linsen, sondern für die neuen Leica Sumilux T1.4. Wenn schon scharf, dann richtig.


Da ich das geschossene Material bisher erst in 2K visionieren konnte, muss ich die 4K Projektion abwarten, um meine Meinung über die Kombination Leica-F55 abzugeben.

Kürzlich drehte ich als Second Unit Kameramann den Kinospielfilm Achtung fertig WK!. Kameramann Sten Mende entschied sich dort ebenfalls für den neuen Leica Objektivsatz. Die Linsen in der Kombination mit einer ARRI Alexa in HD und ProRes 444 überzeugten uns beide.


Die richtige Kamera

Durch die vorschreitende Digitalisierung der Spielfilmbranche ist der Druck auf die Kamerahersteller gestiegen: Jeder will als Erster das nächste Superprodukt auf den Markt bringen. Wenn heute eine neue Kamera erscheint, ist sie meist noch im Entwicklungsstadium.



Ich erinnere mich an meinen ersten Dreh mit der ARRI Alexa, Anfang 2011 (vor dem Firmwareupdate 3.0): Damals konnte sie weder Ton aufnehmen noch mit einem externen Timecode gespiesen werden und hatte so viele kleine Bugs, dass ich mich rückblickend fragen muss, weshalb ich trotz allem schon damals so gerne mit ihr arbeitete.


Die Sony F55

Bei der Sony F55 ist es nicht anders. Eigentlich wird die Kamera erst Ende Jahr wirklich einsatzbereit sein, wenn alle wichtigen Firmware Updates erhältlich sind.


Sony reagiert auf Hinweise und Feedbacks der Kameraleute, was toll ist. Ein kleines Beispiel: Der Wahlschalter für ND Filter, das kleine Rädchen, um intern den ND0.9 oder ND1.8 einzudrehen, wird diesen Juli kostenlos ersetzt. Es kam immer wieder zu unbrauchbaren Einstellungen, weil das Rad bei kleinsten Berührungen den Filter ins Bild reingeschoben hatte. Diese leichten Vignettierungen in der linken Bildecke wurden meist erst in der Postproduktion bemerkt. Updates können also weit über die Firmware hinaus passieren, womit Sony beweist, dass ihr die Kundenzufriedenheit wichtig ist.


Hier eine Liste von meinen Kameraassistenten Sarah Jüstrich, Ramon Königshausen und mir mit ein paar Unannehmlichkeiten, die beim Dreh aufgetaucht sind:



Fan Control: Off in Rec Wurde von der Kamera ignoriert, der Ventilator lief trotzdem weiter.


Reel Number: 001 bis 999 Musste jeweils manuell verstellt werden und wurde im File-Name nur beim AXS Recorder übernommen.


Kamera ausschalten: Liess sich oft nicht ausschalten und musste durch Entfernen des Akkus abgewürgt werden.


VF Marker: Aspect Select An einem Drehtag konnte plötzlich die Bildformatmarkierung für das Seitenverhältnis nicht mehr auf den Sucher rausgegeben werden.


Remote Record: Die Kamera konnte nicht mit der Funkschärfe ausgelöst werden.


Recording Delay: Die REC-Anzeige leuchtete zwar auf, obwohl die Kamera oft noch nicht lief, so dass bei manchen Takes der Klappenschlag nicht aufgenommen wurde.

Was wir gerne gehabt hätten:

- Einen besseren Sucher als den OLED DVF-EL100

- Eine Sucherverlängerung

- False Color oder Waveform in der Kamera

- Einfacheres Menu ohne viele Submenus

- Highspeed-Möglichkeit



Was wir toll fanden:

- Die Bildqualität und den Kontrastumfang

- Die tolle Farbwiedergabe

- Die Empfindlichkeit von 1250 ISO

- Kleinerer, kompakterer Body als bei der F65

- Den geringen Stromverbrauch der Kamera

Kontakt

Tom Keller
10245 Berlin
Deutschland
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