Sony CineAlta Primes Test

VORWORT Ich stecke mitten in den Dreharbeiten für die Thriller-Serie Capelli Code, die wir in 3,2K auf der ALEXA Mini und Amira, so wie den Sony CineAlta SCL-PK6/M Linsen drehen. Das Objektivset mit sechs Linsen ist in der Schweiz für insgesamt 8‘036.10 CHF erhältlich. Für PL Linsen dieser Art ein unschlagbarer Preis. Das freut natürlich auch die Produktionsfirma, vorausgesetzt, die Qualität stimmt. Und davon wollte ich mich in diesem Test überzeugen:



DER OBJEKTIV-TEST In meinem Test habe ich die Sony CineAlta (SCL-PK6/M) Objektive mit den beliebten Cooke S4/i verglichen. Sony hat sich sicherlich vom mehrfach ausgezeichneten Cooke-Design inspirieren lassen. Weil die Cookes außerdem zu den beliebtesten Linsen gehören, die auf dem Schweizer Markt erhältlich sind, fand ich sie als Vergleichslinsen ideal. Nicht ganz ideal sind die unterschiedlichen Brennweiten (21mm Cooke / 20mm Sony und 75mm Cooke / 85mm Sony). Deshalb und weil ich die Zeiss HS MKIII Linsen gerne mag, habe ich das 85mm auch mit der Zeiss Linse verglichen.


Die Testaufnahmen wurden nacheinander auf derselben Kamera (ARRI Amira) gemacht. Das einfache Colorgrading der Aufnahmen von beiden Objektiven ist identisch, es wurden keine Masken oder Secondaries verwendet. Da jedoch bei den T2.0 Aufnahmen die Bilder durch die ND Filter von Tiffen und die internen Filter der Amira einen leichten Grünstich bekamen, wurden diese Aufnahmen an die T5.6 angeglichen, aber auch hier bei beiden (Sony & Cooke) gleich.


Das Video hat keinen Kommentar oder Sound. Ich will die Aufnahmen für sich wirken lassen und eure Analyse nicht manipulieren. Meine Meinung zu den Sony Objektiven gibt es dann weiter unten.


VERARBEITUNG

Die Objektive sind solide verarbeitet und halten auch extremen Drehbedingungen Stand. Wir haben jedoch feststellen müssen, dass die Fokus-Markierungen eine leichte Abweichung zwischen der linken und der der rechten Objektivseite aufweisen. Das war ärgerlich, wir mussten alle Objektive neu markieren.


FARBSTICH Im direkten Vergleich haben die Cookes eine leichte Farbverschiebung ins Grüne und die Sony Objektive in den Magenta-Farbraum. Diese Verschiebung lässt sich mit dem Vektorscope auch im Davinci Resolve sehr gut erkennen. Das ist kein Problem, solange man mit demselben Objektivsatz arbeitet, da beide Objektivsets untereinander konstant sind. Die Verschiebung lässt sich leicht direkt in der Kamera mit +/- green korrigieren. Dies ist übrigens auch eine einfache Lösung, um das Grün der ND-Filter noch vor dem Grading zu korrigieren.



BOKEH Das Bokeh ist wohl das deutlichste Merkmal eines Objektivs und lässt sich nicht so einfach in der Postproduktion kreieren wie Lensflares oder Vignetten. Nicht nur die Linse beeinflusst das Aussehen des Bokeh, sondern auch die Lamellen der Irisblende. Die Anzahl und die Form der Lamellen bestimmt, wie das Blendenbild aussieht.



BLENDENLAMELLEN


Sony = 9

Cooke = 8


Die SCL-PK6 Linsen produzieren mit ihren neun abgerundeten Lamellen meisten schöne runde Bokehs, die Cooke können hier mit ihren acht geraden Lamellen nicht mithalten: Ecken und manchmal sogar an eine Kreissäge erinnernde Zacken kommen zum Vorschein.



Ich persönlich mag das Cooke Bokeh sehr gerne. Es bringt diesen leichten Retrolook mit sich. Ob das Oktagon-Bokeh der Cooke für den Zuschauer nun ein Merkmal für Qualität ist, wage ich jedoch zu bezweifeln. Die Sony Objektive gehören ganz klar zum Look des Digital Cinemas. Die heutigen Fotoobjektive haben meist um die elf abgerundeten Lamellen und somit kreisrunde Bokeh. Denn im Allgemeinen gilt ein kreisrundes Blendenbild und somit das Sony Bokeh als unauffällig und angenehm.



Einzige Ausnahme ist für mich das 135mm, das bei offener Blende gegen den Rand hinaus starke Ellipsen bildet. Beim Cooke bleiben diese eher rund.



Dies allerdings auch nur bei offener Blende. Sobald die Blende geschlossen wird, kommen beim Cooke sofort wieder die charakteristischen Oktagon-Bokeh zum Vorschein.



Allgemein hat mich das Sony 135mm vom Look, der Bildqualität und dem Verhalten bei Schärfen-verlagerungen am wenigsten überzeugt. Gerade bei dieser Schärfenverlagerungen sind deutliche Unterschiede zwischen Cooke und Sony erkennbar und hier gefällt mir die Cooke eindeutig besser.



LICHTSTÄRKE & VIGNETTIERUNG Mit der maximalen Blendenöffnung von T 2.0 kam ich bei den Dreharbeiten während der Dämmerung schnell an die Grenzen. Da hätte ich mir eine Blendenstufe mehr gewünscht.



Außerdem vignettieren die CineAlta-Objektive bei offener Blende stärker als die Cooke. Die Vignette ist aber deutlich weicher und bereits bei einer Blende T 2.8 nicht mehr sichtbar. Beim 21mm und 25mm weisen die Cookes mit der Amira in UHD unschöne dunkle Ecken auf. Obwohl dies bei den Sony Linsen nicht der Fall ist, empfehle ich dennoch, die Linsen mit einer Blende von T 2.8 oder höher zu verwenden, da das Bild ab dieser Blende einfach homogener belichtet wird.



SCHÄRFE & VERZUG Die CineAlta sind sehr weich, sie überragen die Cookes jedoch mit durchgehender Bildschärfe bis hin zum Rand. Die Cookes werden zum Rand hinzunehmend unscharf und sind meiner Meinung nach für 4K Aufnahmen ungeeignet. Bei beiden Objektivsets gibt es bis zur Brennweite 20mm resp. 21mm überhaupt keinen Verzug.



LENS FLARES Die Cookes sind beliebt für ihre schönen Lens Flares, aber auch die Sony Linsen müssen sich nicht verstecken. Focus Puller Andreas Schneuwly hat bei unserem Projekt zum ersten Mal mit den Sony Linsen gearbeitet. Wie ich war auch er von den Linsen und den schönen Lens Flares sehr angetan.



GEWICHT in KG:

Brennweite

21/20mm

25mm

35mm

50mm

75/85mm

135mm

Sony

2.3

2.2

2.1

2.0

2.0

2.4

Cooke

2.0

1.6

1.9

1.5

1.75

2.25


Die CineAlta sind schwerer als die Cooke S4/i, aber immer noch viel leichter als die Zeiss Master Primes oder gar die Cooke 5/i. Das Gewicht spielt vor allem eine Rolle, wenn man die Objektive mit einem MōVI verwendet, da zählt jedes Gramm. Auch wenn die Sony Linsen ein stolzes Gewicht haben, reicht es für unser Setup mit der Alexa Mini und dem MōVI M15 gerade noch.



FRONT DURCHMESSER in mm:


Sony 114

Cooke 110

Die SCL-PK6 Serie besitzen mit 114mm zwar einen sehr großen Frontdurchmesser, da die Objektive aber alle denselben haben, ergibt sich daraus kein Nachteil. Nur für das 2.5cm längere 135mm Objektiv muss das Kompendium angepasst werden. Schärfe- und Blendenring befinden sich bei allen sechs Linsen gleichweit vom Mount entfernt und ermöglichen so einen schnellen Objektivwechsel.



NAHFOKUSDISTANZ ab Objektiv in mm:

Brennweite

20/21mm

25mm

35mm

50mm

75/85mm

135mm

Sony

70

70

80

300

680

900

Cooke

85

64

170

330

584

564


SCHRAUBFILTER Fünf der Sony Linsen verfügen über einen M 95mm Filter Mounting Screw für aufschraubbare ND- oder Clear-Filter. Doch gerade die 20mm, die ich häufig mit dem MōVI einsetze und bei der ich mir am ehesten einen aufschraubbaren Filter gewünscht hätte, hat kein Gewinde dafür. Was sich Sony dabei überlegt hat, ist mir ein Rätsel.



FAZIT Die Sony CineAlta SCL-PK6 Linsen sind unschlagbar im Preis/Leistungsverhältnis. Der weiche Fall Off, die schönen Bokeh und Lens Flares machen sie eigentlich zu einem Must-Have. Sie werden von der Branche definitiv unterschätzt. Zum einen, weil Sony den Fehler gemacht hat, die Linsen zuerst mit einem wirklich grauenhaften Plastikgehäuse auf den Markt zu bringen. Zum anderen, weil das Vorurteil, dass Sony Produkte einen unschönen digitalen Filmlook mit sich bringen, immer noch anhält. Doch genau so wenig, wie sich eine Sony F65 in der Bildqualität vor einer Alexa verstecken muss, müssen es die CineAlta SCL-PK6 Objektive vor ihrer Konkurrenz. Am Ende kann man froh sein, dass eine starke Nachfrage der Objektiven ausgeblieben ist, so konnte der Preis um weit über 50% fallen. Ich empfehle die Objektive gerne weiter, nicht nur für Produktionen mit kleinem Budget.



DANK Für ihre Unterstützung beim Test möchte ich Oliver Eberle (Eberlefilm), Sepp von Arx und Susanne Frei von Arx (Leuchtturm) herzlichst Danken, sowie meinen Assistenten Noman Tarar, Agota Dimen und Martin Wohlgensinger.