Greenscreen / Bluescreen

Ich habe als DP schon einige Green- und Bluescreen-Projekte verwirklicht und früher auch schon mal böse Überraschungen in der Postproduktion erlebt. Der Grund für einen schlechten Key liegt praktisch immer daran, dass das Material nicht optimal aufgenommen wurde.


Natürlich beeinflusst das Budget die Qualität der Aufnahme: Kamera, Studio-Größe, Screen-Größe, Lichteinheiten usw. Das bedeutet aber nicht, dass man mit kleinem Budget keine guten Resultate erzielen kann. Ich habe auch schon Greenscreen-Aufnahmen mit einer Canon 5D Mark II in einem kleinen Fotostudio gedreht, deren Material völlig überzeugte. Tests im Voraus sind allerdings unverzichtbar.



Gelungene Green- oder Bluescreen-Aufnahmen hängen von vielen Faktoren ab, welche ich nun genauer erläutern möchte:


Kamera: Die Wahl der richtigen Kamera ist matchentscheidend und sollte deshalb nicht nur vom Budget abhängig sein. Der Sensor ist das Herzstück jeder digitalen Kamera. Die zwei meistverwendeten Sensoren im Filmbereich sind der 3CCD und der CMOS-Sensor.


Prinzipiell ist eine Kamera mit einem 3CCD-Sensor die ideale Wahl für einen Blue- oder Greenscreen. Das in der Kamera verarbeitete, dichroitische Prisma teilt das einfallende Licht in rot, grün und blau auf. Jede Farbe wird von einem der drei Sensoren aufgefangen. So erhält jeder Sensor die volle Farbinformation seines Spektrums. Das eingefangene Licht wird – anders als beim CMOS-Sensor – optimal ausgenutzt, was eine gute Farbqualitätswiedergabe und ein geringes Rauschen zur Folge hat.



Der CMOS hingegen besteht nur aus einem Sensor. Dieser ist meist mit einem Bayer-Filter versehen, welcher zur Hälfte aus grün- und je einem Viertel aus blau- und rotempfindlichen Pixeln besteht, deshalb erzeugen Grünanteile weniger Rauschen im Bild als Blauanteile. Eine Kamera mit einem CMOS-Sensor ist folglich für Bluescreen-Aufnahmen eher ungeeignet. Die Stärke des Rauschens variiert aber auch hier, abhängig von der Generation und der Bemühungen der Hersteller, den Sensor und den Bayer-Filter zu optimieren. Weil die 3CCD-Sensoren sehr vie größer und kostspieliger sind, werden in fast alle neuen digitalen Filmkameras CMOS-Sensor eingebaut.


Nach meinem letzten Test im Dezember 2013 mit der RED Epic, der ARRI Alexa XT und der Sony F55 ist Letztere ganz klar als Sieger hervorgegangen: Die Epic lockt zwar mit ihren hohen Frameraten und Pixelzahlen. Im Vergleich zur F55 ist sie aber bloß eine Mogelpackung und mit ihrem vermeintlichen „RAW“ und „5K“ nicht wirklich konkurrenzfähig. Die Alexa überzeugt mich persönlich gerade wegen ihrem hohen Kontrastumfang auch bei Greenscreen-Aufnahmen, vorausgesetzt man dreht mit 400 oder 200 ASA, denn mit der Grundempfindlichkeit von 800ASA erhält man selbst im Grünkanal ein starkes Rauschen und die Aufnahmen sind so für die Postproduktion unbrauchbar. RAW ist ganz klar das geeignetere Aufnahmeformat, aber auch mit ProRes444 kann man gute Resultate erzielen.



Die F55 mit ihren 4K sorgt für unglaublich scharfe Bilder und hat mit Abstand das geringste Rauschen. Hier empfehle ich die Aufnahmen im 4K RAW Format und falls 2K gewünscht wird, das Material vor dem Key auf 2K runterzurechnen. Die daraus resultierende, zusätzliche Schärfe hilft beim Keyen und kann danach wieder rausgerechnet werden. Dies gilt auch für Bewegungsunschärfe: Da es leichter ist, in der Postproduktion Bewegungsunschärfe reinzurechnen als verschwommene Bilder zu keyen, sollte ein Shutter kleiner als 180° verwendet werden. Besonders bei 4K Aufnahmen mit 25fps oder 24fps, bei denen Bewegungen über eine größere Anzahl Pixel erfolgen, empfehle ich kleiner als 90° zu drehen, sonst verliert man den Vorteil der höheren Pixelzahl.


Mit einer HD oder 2K Kamera im Hochformat zu drehen, um mehr Pixel für die Postproduktion zur Verfügung zu haben, kann auch sinnvoll sein. Gerade bei Ganzkörper-aufnahmen einzelner Darsteller ist diese Methode ideal, um wirklich den ganzen Sensor auszunutzen.



Blue- oder Greenscreen: Das Motiv bestimmt die Wahl des Screens. Je komplementärer der Hintergrund zum Vordergrund, desto besser. Trägt der Darsteller eine gesättigt grüne Jacke und gelbe Hosen, ist man mit einem Bluescreen besser beraten. Aber auch die Bildkomposition spielt eine wichtige Rolle. Wenn die Figur am Ende im offenen Ozean schwimmt und der Hintergrund mit Meer und Himmel blau ist, kann man sich mit einem Bluescreen viele Probleme beim Keyen ersparen. Dies gilt vor allem bei Ganzkörperaufnahmen, bei welchen die Figur direkt auf der rauszukeyenden Fläche steht. Dort ist Spill unumgänglich und deshalb ein Vorteil, wenn Screen und Kompositionshintergrund farblich in dieselbe Richtung gehen. Der bereits erwähnte Sensoraufbau ist ein weiterer entscheidender Punkt bei der Wahl des Screens, weshalb heutzutage häufiger Greenscreen als Bluescreen gedreht wird.



Beim Film „Die roten Schuhe“ drehten wir mit Bluescreen. Ich entschied mich – in Absprache mit dem Postproduktionshaus Cinegrell – vorwiegend wegen dem Hintergrund und dem Hautton der Darstellerin dafür. Auch waren die vorgegebenen Kostüme völlig unproblematisch für den Einsatz eines Bluescreens.


Am Set kam es allerdings zu einer kurzfristigen Kostümänderung beim Ballettkleid: Die neuen Pfauenfedern, der halbtransparente Stoff und die blau Töne machten mir zu schaffen. Das Endresultat kann sich zwar sehen lassen, die Kostümänderung machte jedoch zusätzliches Rotoskopieren in der Postproduktion nötig. Dies zeigt, wie unglaublich wichtig Tests und das Einhalten von Abmachungen beim Planen und späteren Drehen von Keys sind.


Objektiv: Es ist von Vorteil, wenn sowohl das Motiv im Vordergrund wie auch der später eingefügte Hintergrund mit derselben Linse gedreht werden, es ist aber kein Muss. Flares sollten bei Greenscreen-Aufnahmen komplett vermieden werden. Objektive, die wenig Flares erzeugen, eignen sich deshalb am besten.

Schärfe spielt auch eine wichtige Rolle: Je schärfer die Aufnahme, desto genauer der Key. Dies gilt auch für die Blende. Ein „Offen-Loch-Dreh“ ist nicht empfehlenswert. Außerdem sollte das Objektiv weder Vignettierungen aufweisen noch gegen außen verziehen. Sind solche Effekte erwünscht, kreiert man sie besser in der Postproduktion. Je nach Key-Programm kann man vorhandene Vignettierungen mit einem Plate des Screens dennoch meist problemlos eliminieren.


Dreht man einen Greenscreen digital und mit den neuen, dafür vorgesehenen Objektiven wie den ARRI Master Primes oder Leica Sumilux, hat man keine Probleme.



Licht: Hier kann am meisten schiefgehen. Selbst die beste Kamera und die teuersten Objektive können eine falsch beleuchtete Szene nicht retten. Worauf kommt es also an? Tests und eine gute Vorbereitung sind genauso unabdingbar wie das richtige Material.


Belichtungsmesser sind sicherlich von großem Nutzen. Sie ersetzen im digitalen Bereich aus meiner Sicht aber auf keinen Fall den Waveform-Monitor, nur schon deshalb, weil viele Belichtungsmesser bei monochromatischem Licht falsche Messungen ergeben, vor allem bei blauem Licht.


Der Screen sollte auf dem Waveform-Monitor im grün / blau Kanal bei ca. 80% liegen. Absolutes weiß im Vordergrund bei 90%. Die Hintergrundhelligkeit ist abhängig von der Blende, nicht von der Szene. Es werden also Tages- und Nachtszenen mit der gleichen Screen Helligkeit gedreht.


Nachdem alle wichtigen Kameraeinstellungen feststehen (Shutter, Blende, ASA, Framerate), empfehle ich als Erstes den Vordergrund der Szene und erst danach den Screeen einzuleuchten. Oft wird es in der anderen Reihenfolge gemacht, diese Variante führt aber schneller zum Ziel und man spart Zeit und Geld.


Mit KinoFlo-Einheiten lässt sich ein Screen am besten ausleuchten. Röhren wie „525nm Green“ und „420nm Blue“ sind speziell für Green- und Bluescreen hergestellte und haben einen großen Vorteil gegenüber den normalen 3200-Kelvin-Röhren: Während Letztere mit einem weiten Farbspektrum beleuchten und zum Beispiel das Grün des Greenscreens mit Blau und Rot verschmutzen, sind die anderen beinahe monochromatisch und sorgen für ein erstaunlich reines Ergebnis.

Stehen einem keine speziellen Röhren zur Verfügung, können Folien von LEE und Rosco wie „Primary Green“ und „Primary Blue“ helfen. Man verliert aber entsprechend Licht.


Damit sich Screen und Vordergrund nicht gegenseitig ruinieren, muss der Abstand dazwischen genügend groß sein. Erstrebenswert sind fünf Meter oder mehr. Ein solcher Abstand verhindert, dass der Darsteller Schatten auf den Screen wirft und reduziert zudem die Stärke des Spills auf den Darsteller (Licht des Screens, das auf den Vordergrund reflektiert). Dazu braucht es aber einen entsprechend größeren Screen.


Um Spill weiter zu minimieren hilft es, wenn man den Bereiche des Screens ab flaggt, der in der Einstellung nicht zu sehen ist. Ein Spitzlicht aus der Screen Richtung eliminiert auch einen großen Teil des Spills. Hier sollte aber beachtet werden, dass dieses mit der Komposition, dem später eingeführten Hintergrund und dessen Lichtrichtungen übereinstimmt. Wenn eine Greenscreen-Aufnahme im Film unecht aussieht, liegt dies meistens nicht an einem schlechten Key oder einer billigen Kamera, sondern an falschen Lichtquellen und deren Härte und Richtung. Um das Set passend zu leuchten sollte der Hintergrund, welcher in der Postproduktion anstelle des Screens eingesetzt wird, möglichst schon als Referenz zur Verfügung stehen. So kann man das Licht perfekt anpassen.


Ich hoffe, dass diese Auflistung hilft, großartige Green- und Bluescreen Aufnahmen zu drehen und Fehler zu vermeiden, damit ein „fix it post“ nicht mehr nötig ist.