Filme in 8K drehen?

In meiner Zeit an der Filmschule habe ich meine Liebe zum Zelluloidfilm entwickelt. Das Arbeiten mit 16mm und 35mm Kameras war etwas ganz anderes. Auch die Filme, die damit entstanden. 2013 durfte ich erstmals die Sony F55 mit ihren 4K testen. Ich war mir damals nicht sicher, wie sinnvoll es ist, überhaupt mit dieser damals hohen Auflösung Spielfilme zu drehen. Wieso sollte man mit hochauflösenden Details die Aufmerksamkeit auf Nebensächliches lenken und so von der eigentlichen Geschichte ablenken? Das finden einige Regisseure heute noch und drehen ihre Filme lieber auf 16mm oder 35mm. Ein erfolgreiches Beispiel ist „The Lighthouse“ von Robert Eggers, der für einen Oscar nominiert wurde.

Dennoch setzt Netflix heute eine 4K Auflösung als Standard voraus. Also lernt man, mit der hohen Auflösung umzugehen. Es liegt schließlich ganz an uns Filmemacher, was wir mit den vielen Pixeln machen. Man kann selbst aus einem 8K Bild einer RED Ranger einen Film machen, bei dem die Leute glauben, er wäre auf Zelluloidfilm gedreht worden. „Mank“ von David Fincher mag ein extremes Beispiel dafür sein. Es zeigt aber sehr gut, wie die Vorteile von 8K genutzt werden können. Die monochromatischen Aufnahmen wurden rotoskopiert, mit Hintergründen und 3D Elementen ergänzt. Die hohe 8K Auflösung ist dabei unglaublich hilfreich. In einem letzten Prozess, wurde die Schärfe des Bildes wieder reduziert, Grain und weitere Elemente hinzugefügt um damit diesen kompromisslosen 35mm Retro-Look zu kreieren. 2021 hat Kameramann Erik Messerschmidt, ASC für "Mank", dafür den Oscar für Best Achievement in Cinematography erhalten.


Links: Einstellung vor der Postproduktion. Rechts: mit ergänztem digitalen Hintergrund. Bild von Mank VFX Breakdown - Artemple auf YouTube,







Die VENICE 2

Sony hat eine – wenn nicht sogar die längste – Digital Cinema Kamera Geschichte. Auf die CCD Sensor Kameras HDW-F900 (2000) und der F35 (2008) folgten die CMOS Modelle F65 (2011) und F55 (2014). Die Kameras wurden zwar immer besser, trotzdem hatte man bei der Bedienung das Gefühl, eine Videokamera in der Hand zu haben. Das änderte sich mit der VENICE (2017). Sony hat auf die Inputs der DPs gehört und das Menu vereinfacht sowie das Design der Kamera verbessert. Es ist wohl kein Zufall, dass sie der ARRI Alexa nun sehr ähnlich sieht. Und genau diese Veränderung hat mich gereizt, wieder auf einer Sony zu drehen.


Framed Dubai Szene mit Schauspieler Moritz Vierboom und Schauspielerin Bianca Nawrath, DP Tom Keller, BVK


Als ich dann die Möglichkeit bekam, die Sony Venice 2 noch vor ihrem Release zu nutzen/testen, war meine Freude natürlich groß. Sony hat mir die Kamera für die Dreharbeiten von Framed zur Verfügung gestellt. Meine Erfahrungen mit der Kamera sind am besten in diesem Interview (Original auf Englisch) zusammengefasst:

https://pro.sony/ue_US/insight/cinematography-stories/venice2-8k-workflow-tom-keller-bvk-framed


Framed Dubai Szene mit Schauspielerin Bianca Nawrath, DP Tom Keller, BVK



Die Sony VENICE 2 gehört definitiv zu den besten Digital Cinema Cameras und ist vielleicht sogar die beste 8K Kamera überhaupt. Aber es geht ja nicht nur um die Anzahl Pixel, das hat ARRI wieder mit der Alexa 35 gezeigt. ARRI kann wie kein anderer Hersteller das Maximum aus den von OnSemi hergestellten Sensoren rausholen und ich bin überzeugt, dass sie auch mit dem ALEV 4 wieder ein beeindruckendes Bild liefern werden. Trotzdem wird auch ARRI irgendwann mitziehen und eine 8K Kamera rausbringen. Bis dahin freuen wir uns, dass wir die 8K kreativ nutzen können und Netflix sich mit 4K zufrieden gibt.